Von:
Johannes Münch

e-computerspiel.de

Erst kauf ich mir ein großes Grundstück, dann baue ich mein Traumhaus mit genügend Platz für Kinder, Haustiere und Partys mit Freunden. Die Einrichtung muss luxuriös sein. Alles fertig gebaut, das Budget nicht überschritten. Aber - das Baby schreit, meine Frau läuft vom Kinderzimmer mit unserem Kind auf dem Arm in die Küche und sucht hektisch im Kühlschrank die Milchflasche. Mist noch keine Lebensmittel gekauft. Ich habe aber auch kein Geld mehr. Vielleicht habe ich doch zu viel Geld in die Einrichtung gesteckt. Egal, ich fang noch mal neu an.

Zum Glück keine Situation aus dem echten Leben, sondern aus dem Computerspiel „Sims“, eines der erfolgreichsten Spiele der vergangenen Jahre.

Computerspiele gehören mittlerweile zum Alltag dazu und kaum einer kann sich deren Reiz entziehen. Ein sechsjähriges Kind, das sich im Auto die Langweile mit „Super-Mario“ auf dem „DS“ vertreibt, der 14-jährige, der sich vormittags in der Schule schon Gedanken macht, welchen Champion er am Nachmittag bei „League of Legends“ auswählt, die Freunde, die ein ganzes Wochenende auf einer „Lan-Party“ durchzocken, der Anwalt an seinem Schreibtisch, der noch schnell einen neuen Pinguin-Rekord im Internet aufstellen will oder die Studentin, die während einer Vorlesung Getreide für ihre Farm einkauft.

Computerspiele sind längst zu einem wichtigen Medium unserer Gesellschaft geworden. Seit es Computerspiele gibt, gibt es natürlich auch die Diskussion über ihren Wert, ihren Nutzen und natürlich auch über Gefahren.

Über all diese Fragen hinaus interessiert mich aber, was den Reiz von Computerspielen ausmacht. Vielleicht ist es die Tatsache, dass damit eine Sehnsucht des Menschen gestillt wird, die wohl in jedem vorhanden ist. Die Sehnsucht, noch mal ganz neu anfangen zu können. Alle Fehler, die man gemacht hat, einfach zu löschen und das Spiel von vorne zu beginnen. Im wahren Leben geht das nicht so einfach. Und dennoch ist das Geschenk, das Gott uns mit der Vergebung macht, so ein Neuanfang.